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Auf den Karten des Mittelalters findet sich jedoch meistens noch eine dritte Insul mit der Silhouette eines Neumondes, dessen Sichel in den ?ltesten Portulanen auf den Wassern treibt, bevor sie im Laufe weniger Jahrzehnte immer mehr zunimmt, bis ihr von der Geographie der Sehnsucht schlie?lich die vollendete Gestalt zuteil wird: der Kreis. Genannt wird sie Hy Brasil, nach dem Altirischen aoi, Insul, und breas, gl?cklich und sch?n; und von ihrem Ring werden Inselchen umschlossen, ein mit dem Zirkel gezogenes Eiland, durch des ein Kanal l?uft, ein Kreis ohne Anfang und Ende.
Im Jahre des Herrn 1480 wurde der f?higste Seemann in ganz England ausgeschickt, sie zu finden; er segelte neun Monate ?ber die Meere, bevor er die Suche aufgrund f?rchterliche St?rme aufgeben mu?te. Kolumbus wu?te ebenfalls davon, aber er kam, wohin er kam, ohne dieses Eiland zu finden. Gesichtet wurde sie erst wieder im Jahr des Herrn 1636; als man jedoch vor ihr zu ankern versuchte, verschwand das Eiland wieder im Nebel.
Nur einmal alle sieben Jahre, so hei?t es, lichtet sich dieser und gibt einen Blick frei auf jene verzauberte Insul, die ganz auf S?ulen im Meer steht, ihr Untergrund voller H?hlen, ein Land mit gr?nen Schafwiesen und Licht wie Honig. Kommt man ihr jedoch zu nahe, verschwindet sie wieder unter Wellen, denn das Meer, das sich selbst offenbart, ich die terra repromissionis sanctorum, eine Insul des Lebens, das Land, wo alle B?ume immerw?hrend Fr?chte tragen. Von ihr aus, so hei?t es, kann man denn auch bis zu Gipfel der Welt schauen.
Zum vorerst letzten Mal wurde mein Hy Brasil im Sommer 1872 gesichtet und auf einer Karte der britischen Admiralit?t eingetragen. Es war ein klarer Abend, die Sonne ging silbern unter als man weit drau?en auf See, diesseits des Horizonts, ihrer gewahr wurde. Zwei H?gel waren zu erkennen, und da es an diesem Tag sehr hei? gewesen war, lie? die immer noch flirrende Luft dar?ber weit jenseits des Gesichtskreises liegende Landstriche als hohe Berge erscheinen, Kaps und F?rden, flickernd und flimmernd vor einem leeren Himmel.

Weltenbeschreiber waren die Kartographen einmal, denn eine Karte zu zeichenen, darin ist ebenso viel Wissenschaft wie Kunst. In ihr verbinden sich Bild und Text zu einer darstellenden Geometrie von Skalen, Orientierungsrichtungen, Perspektivpunkten, Gitternetzen, Rastern, Zeichen, Linien, Farben und Buchstaben; nein, es sind nicht nur auf Papier gebrannte Konturen von Kontinenten, Ozeanen und Meeren, Str?men, Fl?ssen und L?ndergrenzen, sondern auch Kartuschen und Signaturen, Embleme und Wappen, Kompa?rosen und Winde, Schiffe und Seeungeheuer, Figuren aus der Bibel, Kannibalen und nackte Eingeborene, Sphingen, Sirenen und alle Wunder dieser Welt, in denen das unsichtbare anschaulich wird. "
21.8.04 17:29
 


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(21.8.04 17:30)
Mark Thomsen, Tristan da Cunha.

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